HIV – Klinik
HIV-Infektionen entwickeln sich von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Auch jeder einzelne Verlauf kann starke Schwankungen aufweisen. Die auftretenden Symptome sind in der Regel sehr unspezifisch, zudem liegen zwischen einzelnen Krankheitsphasen oft lange Zeiten mit völliger oder weitgehender Beschwerdefreiheit. Andererseits können Komplikationen, die aus einem schweren Immundefekt resultieren, auch bei bis dahin scheinbar Gesunden sehr plötzlich auftreten. Die akute HIV-1-Infektion
Unmittelbar nach der Infektion mit HIV-1 findet in der Regel eine starke Virusvermehrung statt, sodass Viruslasten von mehr als 100 Millionen Kopien/ml auftreten können. Bereits in dieser frühen Phase laufen vermutlich wichtige pathogene Prozesse ab, wie die Aussaat der Viren in verschiedene Gewebe und die Zerstörung von CD4+-T-Lymphozyten. Dementsprechend fällt parallel die CD4-Zellzahl deutlich ab.
Die anfänglich sehr hohe HIV-1-Virämie dauert im Normalfall nicht lange an, weil sie zunächst durch eine zelluläre Immunantwort kontrolliert wird. In den folgenden Wochen sinkt die Viruslast daher wieder stark, bis ein sogenannter viraler Setpoint erreicht wird. Die Höhe dieses Setpoints ist ein wichtiger Prädiktor für die langfristige Krankheitsprogression.
Während der akuten Phase, die etwa sechs Tage bis sechs Wochen nach einer Infektion besteht, kann ein akutes Mononukleose-ähnliches Krankheitsbild auftreten mit Fieber, akuter Lymphknotenschwellung, diskretem Exanthem des Stammes, z.T. Durchfall und schmerzhaften Schluckbeschwerden. In seltenen Fällen sind auch Symptome einer flüchtigen Meningoenzephalitis zu beobachten. Das in der Regel auf ein bis zwei Wochen begrenzte akute Krankheitsbild ist häufig so schwach ausgeprägt, dass es den Patienten nicht dazu veranlasst, einen Arzt aufzusuchen.
Symptomfreie Phase und chronische Infektion
Nach der akuten Phase folgt in der Regel ein symptomfreies Stadium, das Monate bis viele Jahre dauern kann. In dieser Phase sind indolente, mehrere Regionen betreffende Lymphknotenschwellungen möglich, die über Wochen bis Monate persistieren.
Zu den Symptomen der chronischen Infektion gehören meist unspezifische Störungen des Allgemeinbefindens, Veränderungen an Haut und Schleimhäuten und gastrointestinale Beschwerden. Auch eine diskrete neurologische Symptomatik tritt vereinzelt auf. Parallel findet in der Regel ein langsamer, aber kontinuierlicher Abfall der CD4+-T-Zellen im peripheren Blut statt. Darüber hinaus lässt sich - bei unbehandelter Infektion - in der Regel ein Anstieg der Plasmavirämie beobachten.
Der schwere Immundefekt
Die langfristige Folge einer HIV-Infektion ist eine ausgeprägte und irreversible Störung der zellulären Immunabwehr. So zeigten prospektive Kohortenstudien, dass beim unbehandelten Krankheitsverlauf innerhalb von zehn Jahren nach der Infektion etwa 50% der Infizierten an einem schweren Immundefekt (Acquired Immune Deficiency Syndrom bzw. AIDS) erkranken.
AIDS manifestiert sich in der überwiegenden Mehrheit der unbehandelten Patienten (70%) in Form lebensbedrohlicher opportunistischer Infektionen. Zu den wichtigsten gehören Pneumonien durch Pneumocystis jirovecii (früher P. carinii), Ösophagitiden durch Candida albicans, zerebrale Abszesse durch Toxoplasmen und Reaktivierungen von Zytomegalievirus-Infektionen mit unterschiedlicher Lokalisation (Auge, Lunge, Darm). Bei den typischen Krankheitserregern handelt es sich meist um ubiquitäre und/oder persistierende Keime. Auch Reaktivierungen von Tuberkulosen sind nicht selten. Bei knapp 15% der Betroffenen führt eine maligne Neubildung zur AIDS-Diagnose, überwiegend Kaposi-Sarkome und B-Zell-Lymphome.
Antiretrovirale Therapie zögert AIDS deutlich hinaus
Mit der heute in Industrienationen, hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) lässt sich die klinische Manifestation des schweren Immundefektes um viele Jahre hinauszögern.
Eine Heilung bietet die HAART bislang allerdings nicht. Denn trotz des therapiebedingten Abfalls der Virämie bleibt ein Pool latent infizierter CD4+-T-Zellen bestehen. Die ständige Aktivierung dieser Zellen und die daraufhin mögliche Virusverbreitung haben eine anhaltende Viruspersistenz und Zerstörung des CD4+-T-Zell-Reservoirs zur Folge.
CDC-Klassifikation der HIV-Infektion
Die CDC-Klassifikation der HIV-Infektion unterscheidet drei klinische Kategorien A bis C und drei CD4-Zellzahlbereiche 1 bis 3. Kategorie A erfasst Patienten im asymptomatischen Stadium und Kategorie C Patienten mit AIDS. In Kategorie B fallen alle anderen Patienten (also nicht mehr asymptomatisch, aber auch kein AIDS).
Darüber hinaus beschreibt Kategorie 1 eine CD4-Zellzahl von = 500 Zellen/µl, Kategorie 2 eine Zahl von 200 bis 499 Zellen/µl und Kategorie 3 eine Zahl von <200 Zellen/µl.
| Klinische Kategorien | ||||
| A | B | C | ||
| Zellzahl- Kategorie | CD4- Zellzahl | asymptomatisch |
Symptomatisch, aber nicht A oder C |
AIDS |
|
1 |
500 Zellen/µl | A1 | B1 | C1 |
| 2 | 200 bis 499 Zellen/µl | A2 | B2 | C2 |
| 3 | <200 Zellen/µl | A3 | B3 | C3 |
Nach Informationen von:
HIV/AIDS. RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte. Stand: 27.01.2006
HIV.NET 2007. hrsg. von Christian Hoffmann, Jürgen Rockstroh, Bernd Sebastian Kamps. www.hiv.net
Innere Medizin. Gerd Herold. 2007





