Therapiemöglichkeiten
Die HIV-Therapie hat in den letzten 20 Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, auch wenn eine Heilung im Sinne einer vollständigen Entfernung des Virus aus dem Körper (Eradikation) noch nicht möglich ist. Mit der Einführung eines therapeutischen oder prophylaktischen Impfstoffes ist in den nächsten Jahren nicht zu rechnen.Das Ziel jeder antiretroviralen Therapie ist die weitestgehende Unterdrückung der Virusvermehrung (unter die Nachweisgrenze von 50 Kopien/ml), damit das Immunsystem so wenig wie möglich geschädigt wird. Trotz der Senkung der Viruslast unter die Nachweisgrenze im Blut existieren weiterhin Viren im Körper. Wird die antiretrovirale Therapie abgesetzt oder versagt sie, steigt die Viruslast wieder an.
Unter dem immunologischen Therapieziel wird ein Anstieg der CD4-Zellzahl verstanden. Klinisch sind Aids-definierende Erkrankungen so lange wie möglich hinauszuzögern.
Nachdem das HI-Virus im Jahr 1983 erstmals von Francoise Barre-Sinoussi, Luc Montagnier und Robert Gallo isoliert wurde, waren Wissenschaftler voller Hoffnung, schnell eine wirksame Therapie zu entwickeln - ein Optimismus, der sich leider als Illusion erwies. 1987 konnte mit der Substanz Azidothymidin (AZT) endlich das erste Medikament gegen HIV zugelassen werden: AZT gehört zur Klasse der Nukleosidischen-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI), einer Substanzklasse, die die Umschreibung der viralen RNA in DNA verhindert - einen für die Vermehrung des Virus notwendigen Schritt.
Auf der internationalen Aids-Konferenz in Vancouver im Juli 1996 wurde eine Nachricht verkündet, die die Aids-Community und Behandler in Euphorie versetzte: Erstmals war es gelungen, mit einem Medikamentencocktail aus einem Protease-Inhibitor (PI) und zwei NRTI (dem so genannten „Backbone“ der Therapie) die Anzahl der Viren im Blut unter die Nachweisgrenze gängiger Testverfahren zu drücken - die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) war geboren.
Zurzeit stehen in der Europäischen Union insgesamt mehr als 25 antiretrovirale Medikamente aus sechs Substanzklassen zur Verfügung; weitere befinden sich in der Entwicklung:





