Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern

Vorhofflimmern als Hauptrisikofaktor für Schlaganfälle
Vorhofflimmern ist die häufigste Form von Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien). Nach neuesten Berechnungen leiden in Deutschland fast 1,8 Millionen Menschen unter Vorhofflimmern, also 2,2 Prozent der Bevölkerung.1 Vorhofflimmern selbst ist zwar nicht lebensbedrohlich, doch die Folgen können es sein. Denn sie können einen Schlaganfall auslösen.

Was passiert beim Vorhofflimmern?
Beim Vorhofflimmern ist der natürliche Herzrhythmus gestört. Die Vorhöfe des Herzens ziehen sich nicht mehr rhythmisch zusammen, sondern schlagen chaotisch, bis zu 600-mal in der Minute – sie „flimmern“. Mechanisch gesehen stehen die Vorhöfe somit praktisch still, das Blut wird nun nicht mehr vollständig aus den Vorhöfen in die Herzkammern gepumpt. Und Blut, das nicht fließen kann, gerinnt.

Die Folgen
Aufgrund des gestörten Blutflusses kann es zur Bildung von Blutgerinnseln im Vorhof kommen. Losgeschwemmte Blutgerinnsel können mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen und dort zu einem Schlaganfall führen. Daher ist Vorhofflimmern neben Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht sowie Bewegungsmangel einer der wichtigsten Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Jeder fünfte Schlaganfall ist auf Vorhofflimmern zurückzuführen.2

Das Risiko für einen Schlaganfall bei Vorhofflimmern ist ganz unterschiedlich und wird vor allem vom Lebensalter, vom Geschlecht und von Begleiterkrankungen bestimmt. Menschen, die

  • weiblichen Geschlechts sind,
  • über 65 Jahre alt sind,
  • gegebenenfalls eine zusätzliche Herzerkrankung,
  • einen zu hohen Blutdruck,
  • eine Gefäßerkrankung,
  • eine Zuckerkrankheit haben oder
  • einen bereits zurückliegenden Schlaganfall hatten,

können ein höheres Risiko haben, einen Schlaganfall zu bekommen. Aber auch bereits Vorhofflimmern an sich kann das Risiko eines Schlaganfalls steigern und muss deswegen mit dem Arzt abgeklärt werden.

Wie kann einem Schlaganfall bei Vorhofflimmern vorgebeugt werden?
Dank moderner Therapien ist die Lebensqualität von Menschen mit Vorhofflimmern kaum eingeschränkt. Je nach Diagnose stehen für die Behandlung bestimmte Medikamente (zum Beispiel Betablocker) zur Verfügung, die die Herzfrequenz regulieren. Außerdem können medikamentöse Therapien (Antiarrhythmika) oder der Einsatz eines Defibrillators (elektrische Kardioversion) dem Herzen helfen, wieder im normalen Takt zu schlagen.

Um aber zu verhindern, dass sich bei Vorhofflimmern Blutgerinnsel bilden, ist die Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten ein wesentlicher Grundpfeiler der Behandlung. Damit kann das Schlaganfallrisiko ganz erheblich gesenkt werden. Man unterscheidet dabei

  • die Vorbeugung eines Schlaganfalls bei Patienten mit Vorhofflimmern, die noch keinen Schlaganfall hatten (Primärprävention),
  • von der Vorbeugung eines weiteren Schlaganfalls bei Patienten mit Vorhofflimmern, die schon einmal einen Schlaganfall erlitten haben (Sekundärprävention).

Mitarbeit des Patienten entscheidend für wirksame Schlaganfallvorsorge
Besonders wichtig bei der Behandlung mit Gerinnungshemmern ist die regelmäßige Einnahme der Tabletten, also die Therapietreue des Patienten. Es muss gewährleistet sein, dass die Medikamente täglich zur gleichen Zeit eingenommen werden, damit der Patient vor einem Schlaganfall geschützt ist. Dazu gehört auch, die Medikamente nicht eigenmächtig abzusetzen oder die Dosis zu verändern.

Neben einer medikamentösen Therapie kann auch ein entsprechender Lebensstil bei Vorhofflimmern die Schlaganfallprävention positiv beeinflussen. Dies betrifft eine ausgewogene, „herzgesunde“ Ernährung und ein gesundes Maß an körperlicher Bewegung. Außerdem sollen Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sowie Stress und Schlafmangel vermieden werden.

Auf der Website www.schlaganfall-verhindern.de der „Initiative Schlaganfallvorsorge. Bei Vorhofflimmern handeln“ stehen weitere Informationen über die Schlaganfallprävention zur Verfügung.

1Patienteninformation „Herz aus dem Takt: Vorhofflimmern“. Herausgeber Kompetenznetz Vorhofflimmern. Aktualisierte Neuauflage, Stand Februar 2013.
2Camm AJ et al. Guidelines for the management of atrial fibrillation: the Task Force for the Management of Atrial Fibrillation of the European Society of Cardiology (ESC). Europace 2010; 12:1360-1420