Hepatitis

Die Hepatitiden B und C gehören weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Beide Erkrankungen können einen chronischen Verlauf nehmen und sind mit dem Risiko der Entwicklung einer Leberzirrhose bzw. eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) assoziiert.

Hepatitis B

Das Hepatitis-B-Virus wird durch Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen, der Hauptübertragungsweg sind infizierte Sexualpartner. Bei immunkompetenten Erwachsenen heilt die akute HBV-Infektion in über 90 % der Fälle von selbst aus. Bei ca. 10 % der erwachsenen Hepatitis-B-Patienten, 30 – 50 % der Kinder und 90 % der Babys kann der Körper das Virus nicht selbst eliminieren.1 Besteht die Infektion länger als sechs Monate, gilt sie als chronisch. Eine solche chronische Infektion kann symptomatisch, asymptomatisch oder in Schüben verlaufen. In Deutschland sind Schätzungen des Robert-Koch-Institutes zufolge ca. 400.000 bis 500.000 Menschen chronisch mit Hepatitis B infiziert.2 Diagnostiziert sind davon allerdings nur ca. 25 %, und weniger als 9 % der Infizierten befinden sich in Behandlung.3,4 Primäres Ziel der Therapie der chronischen HBV-Infektion ist es, die Progression der Lebererkrankung zur Leberzirrhose und zum hepatozellulären Karzinom zu verhindern. Ein sekundäres Ziel der Therapie kann auch die Senkung der Infektiosität des Patienten sein. Zur Behandlung der chronischen HBV-Infektion stehen heute wirksame Medikamente zur Verfügung.

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Hepatitis C

Die Übertragung des Hepatitis-C-Virus erfolgt in den meisten Fällen durch infiziertes Blut, das in die Blutbahn eines gesunden Menschen gelangt. Zu den häufigsten Übertragungswegen zählen mit Blut kontaminierte Nadeln oder andere scharfkantige Instrumente. Eine Infektion über Blutprodukte/-transfusionen gilt in der heutigen Zeit als unwahrscheinlich, da diese seit Anfang der Neunziger Jahre routinemäßig auf Antikörper gegen das Virus getestet werden. Das Übertragungsrisiko durch ungeschützten Geschlechtsverkehr wird im Allgemeinen als gering bewertet.5

Etwa 25 % der Infizierten entwickeln eine akute, (häufig) milde Hepatitis.5 Die überwiegende Mehrheit bildet jedoch eine chronische HCV-Infektion aus, die für die Betroffenen allerdings kaum wahrnehmbar ist, da die Infektion meist ohne spezifische Symptome verläuft.5,6 Wenn doch Beschwerden auftreten, sind diese meist unspezifisch, wie z.B. Müdigkeit, leichte Übelkeit oder grippeähnliche Symptome.

Häufig entwickelt sich die Krankheit bis zum Auftreten von ernsthaften Folgeschäden unbemerkt fort. Schätzungen zufolge werden zwischen 10 %7 und 38 %8 der Betroffenen in Deutschland erst dann diagnostiziert, wenn Symptome einer offenkundigen Hepatitis-C-Infektion, einschließlich eines bösartigen Leberzellkarzinoms, einer Leberzirrhose und Lebererkrankung im Endstadium (ESLD), auftreten.

In Deutschland sind derzeit etwa 400.000 bis 500.000 Menschen von einer Infektion mit HCV betroffen. Das entspricht einer Krankheitshäufigkeit von ca. 0,4-0,6 %.8 Die Hepatitis-C-Infektion lässt sich in sechs unterschiedliche Genotypen unterteilen, die mit unterschiedlicher Häufigkeit in Deutschland vorkommen.9 Die große Mehrheit der Hepatitis-C-Infizierten entfällt dabei auf den Genotyp 1 mit 62 % und den Genotyp 3 mit 28 %.10,11

Die Behandlung der chronischen HCV-Infektion befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Mit neuen direkt antiviral wirkenden Substanzen (Direct Acting Antivirals, DAA) ist nun eine Heilung der Erkrankung für fast alle Patienten möglich. Dies umfasst auch Patienten mit hohem therapeutischen Bedarf, wie Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung, nach Versagen einer Therapie mit Proteaseinhibitoren oder mit einer Genotyp-3-Infektion. Wichtige Messgröße für den Therapieerfolg ist ein anhaltendes virologisches Ansprechen (Sustained Virologic Response, SVR) 12 Wochen nach Therapieende, das einer Heilung gleichgesetzt werden kann.12,13

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1Cornberg M et al., Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virus-(HBV) Infektion; Upgrade der Leitlinie, AWMF-Register-Nr.: 021/011, Z Gastroenterol 2007; 45: 1-50.
2Robert Koch-Institut (RKI), Epidemiologisches Bulletin; Nr. 46, 14; November 2008.
3Potthoff A et al., Epidemiologie der Virushepatitis A, B und C; In: Selmair H, Manns MP (Hrsgs.): Virushepatitis als Berufskrankheit; Landsberg: ecomed 2003;13-22.
4Rychlik R, Gutachten über die Unterversorgung mit Arzneimitteln in Deutschland für den Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. Addendum Juli 2007; Verband forschender Arzneimittelhersteller e.V.
5Robert-Koch-Institut, „Hepatitis C - RKI Ratgeber für Ärzte, Stand: 03.04.2014,“ [Online]. Available: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisC.html. [Zugriff am 31 Juli 2014.]
6Ghany MG, Strader DB, Thomas DL and Seeff LB, „AASLD Practice Guidelines. Diagnosis, Management, and Treatment of Hepatitis C: An Update,“ Hepatology, Nr. 49 (4), pp. 1336-1374, 2009.
7Chen, SL, Morgan, TR, „The natural history of hepatitis C virus (HCV) infection.,“ Int J Med, pp. 3, 2:47-52., 2006.
8Merkinaite S, Lazarus JV, Gore C, „Addressing HCV infection in Europe: reported, estimated and undiagnosed cases,“ Cent. Eur. J. Public Health, pp. 16, 3:106-10, 2008.
9Negro F and Alberti A, Liver Int. , Bd. 31 (suppl s2), pp. 1-3, 2011.
10 Cornberg, M. Razavi, H.A., Alberti, A. et al. 2011, „A systematic review of hepatitis C virus epidemiology in Europe, Canada and Israel,“ Liver Int., 31 Suppl 2:30-60, 2011.
11Deuffic–Burban S, Deltenre P, Buti M, et al., „ Predicted effects of treatment for HCV infection vary among European countries.,“ Gastroenterology, Bd. 143, p. 974–985, 2012.
12European Association for the Study of the Liver, „EASL Clinical Practice Guidelines: management of hepatitis C virus infection.,“ J Hepatol, Bd. Aug;55(2), pp. 245-64, 2011.
13Swain MG, Lai MY, Shiffman ML, et al. , „A sustained virologic response is durable in patients with chronic hepatitis C treated with peginterferon alfa-2a and ribavirin,“ Gastroenterology, pp. 139:1593-1601, 2010.